Helga Nitsch-Berg & Hiltraud Kühn

Kreative Medien und die Suche nach Identität

Methoden Integrativer Therapie und Gestaltpädagogik für psychosoziale Praxisfelder



Zur Entstehungsgeschichte und zu den Zielen des Buches

Die Arbeit, die wir in unserem Buch darstellen, basiert auf unseren Erfahrungen mit langjährigen berufsbegleitenden Weiterbildungsgruppen in Oldenburg und Flensburg, die wir gemeinsam geleitet und durchgeführt haben.

In Oldenburg fanden 3-4jährige Weiterbildungs-Veranstaltungen unter dem Namen "Integrative Gestaltarbeit für soziale Berufe" am Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung (ZWW) der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg statt. Die Curricula richteten sich an Teilnehmer/innen mit einem abgeschlossenen humanwissenschaftlichen Hochschulstudium (z.B. Pädagogik, Sozialpädagogik, Sonderpädagogik, Sozialwissenschaft oder Psychologie) oder mit einem abgeschlossenem Fachhochschulstudium (in Sozialarbeit, Sozialpädagogik), deren Tätigkeit sich im Überschneidungsbereich von Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Erziehung, Beratung oder Therapie bewegt.

In Flensburg laufen seit 1996 zweijährige berufsbegleitende Weiterbildungen "Integrative Gestaltarbeit für soziale Berufe" an der Volkshochschule Flensburg, die sich an alle in sozialen und pädagogischen Berufsbereichen Tätige richtet, die angesichts ständig wachsender Anforderungen und Belastungen in diesen Berufen ihre persönliche, soziale und professionelle Kompetenz erweitern wollen.

Die Konzepte der Weiterbildungen "Integrative Gestaltarbeit für soziale Berufe" wurden von uns erarbeitet auf der Basis der Theorie und der Methoden der "Integrativen Therapie" (entwickelt von Hilarion Petzold, Ilse Orth, Hildegunde Heinl u. a. am Fritz-Perls-Institut) und sind dem soziotherapeutischen Ansatz zuzusprechen.

Mit dem Begriff "Gestaltarbeit" wollen wir kein neues Verfahren bezeichnen, sondern umschreiben das vielfältige kreative Methoden- und Interventionsrepertoire aus Integrativer Therapie und Gestalttherapie für das breite schwer abgrenzbare Arbeitsfeld der Soziotherapeuten und Pädagogen, das sich unter anderem nicht nur in den Bereich der Erwachsenenbildung, Sozialpädagogik und Beratung sondern auch in den der Psychotherapie erstreckt.

Die vielen intensiven Erfahrungen mit unseren Weiterbildungsgruppen und das vielfältige Material (Bilder, Texte, Geschichten der Teilnehmer) ließen bei uns die Idee wachsen, diese systematisch methodisch zu reflektieren und darzustellen. So artikulierte sich für uns mehr und mehr der Wunsch, ein Buch aus der Praxis der gestalttherapeutischen Gruppenarbeit auf der Basis der Integrativen Therapie für die Praxis derjenigen zu schreiben, die ebenfalls mit Gruppen, und nicht nur Weiterbildungsgruppen , arbeiten. Im Laufe der Gruppenarbeit wurde uns wie den Ausbildungsteilnehmern und Teilnehmerinnen deutlich, in welch vielfältiger Weise die Methoden der Integrativen Therapie in den verschiedenen sozialpädagogischen Praxisfeldern sinnvoll verwendet werden können.

Die Integrative Therapie und die Integrative Gestaltarbeit gewinnen nicht nur im klinisch-psychologischen und psychotherapeutischen Bereich immer mehr an Bedeutung, sondern durch ihre Methodenvielfalt auch in den unterschiedlichen Bereichen von Soziotherapie, Beratung, Supervision , Sozialpädagogik und Weiterbildung. Auf der Basis des vielfältigen kreativen Materials der Gruppenteilnehmer/innen (Bilder, Skulpturen, Symbol-Objekte, Texte) und ausführlicher, reflektierter Beschreibungen von langjährigen Gruppenprozessen stellt das Buch einerseits eine Einführung in die Theorie und Methoden der Integrativen Therapie dar und kann aber andererseits mit der Fülle von Übungsanleitungen und Prozessbeschreibungen zugleich ein Handbuch für die Praxis verschiedener psychosozialer Berufsfelder sein.
Die Fülle des Bild- und Textmaterials der Gruppenteilnehmer/innen gibt Einblick in die langjährigen Entwicklungsprozesse Einzelner im Wechselspiel mit den Gruppenprozessen. Die differenzierte Methodenreflexion verknüpfen wir mit entwicklungspsychologischen Fragestellungen und legen damit auch einen besonderen Schwerpunkt auf die differenzierte Beschreibung und Analyse der Wirkweisen kreativer Medien und leib- und bewegungstherapeutischer Arbeit für die psychodynamische und psychosoziale Entwicklung Einzelner.
Eine weitere zentrale Fragestellung des Buches ist, wie männliche und weibliche Lebensgeschichten in unterschiedlicher Weise verkörpert werden und wie durch Gestaltungsformen mit verschiedenen Methoden und kreativen Medien (Bild, Wort, Skulptur, Bewegung) Veränderunsprozesse und eine Entfaltung von Identität und Kreativität gefördert werden. Die durch die kreativen Medien zum Ausdruck kommenden geschlechtspezifischen Ausprägungen weiblicher und männlicher Leib- und Lebensgeschichten werden erstmals besonders akzentuiert.
So will unser Buch in seiner vielschichtigen Theorie- und Praxis-Verschränkung zu einer differenzierten Handhabung kreativen Methoden, Techniken und Medien der Integrativen Therapie und Integrativen Gestaltarbeit verhelfen. Adressatenkreis: Das Buch richtet sich an Pädagogen, Pychologen, Therapeuten und all diejenigen, die im Grenz- und Übergangsbereich von Psychotherapie, Beratung, Sozialpädagogik, Erziehung, Gesundheitsbildung und Erwachsenenbildung tätig sind und mit Einzelnen und Gruppen kreativ arbeiten wollen.

Fröhliche Bilder aus einem Seminar